| Eros und Psyche
Ein Knabe und ein Mädchen haben sich innig umschlungen. Er ist nackt, sie bis zur Hüfte entblößt, ein kindliches Liebespaar, das sich ganz einem erwachsenen gleich küßt und kost. Daß es sich um eine mythologische Darstellung handelt, steht außer Frage, und durch einige Repliken mit den gefiederten Flügeln des Eros und den schmetterlingsgleichen der Psyche wird die Deutung vollends gesichert. Nach Apuleius hatte sich Liebesbote selbst ihn die heranwachsende Psyche verliebt, anstatt sie seinem Auftrag gemäß dafür zu strafen, daß ihre Schönheit schon den Ruhm der Venus zu überstrahlen begann. Die griechischen Quellen dieser märchenhaft ausgeschmückten Erzählung sind verloren, und nur die bildliche Überlieferung läßt noch ahnen, was die Griechen über Eros und Psyche gedichtet haben. Eros tritt uns dort als vielfältiger Peiniger und Schmeichler Psyches entgegen, die teils als Mädchen, teils als Seele in der Gestalt eines Schmetterlings erscheint, weshalb sie denn auch in dieser Gruppe ursprünglich wie ein Schmetterling geflügelt war. Das Original gehört in die Welt des "antiken Rokoko", wie man die heiter-erotische Kunst des späten Hellenismus mehr oder weniger treffend genannt hat. Psyche gleicht völlig einer Aphrodite, die sich verführerisch aus ihrer Hülle löst. Auch die klare Schauseite, eine Eigentümlichkeit vieler Werke des 2. und 1. Jhs. vor Chr., ist nach Möglichkeit gewahrt, und nur die Oberkörper sind einander zugekehrt. Doch muß man sich den Repliken zufolge vorstellen, daß die Figuren in der griechischen Gruppe schlanker waren, weniger puttohaft, und sich fließender zusammenschmiegten, daß sie also ein zwar junges, aber doch schon der sinnlichen Liebe fähiges Paar abgegeben hatten. Erst der römische Bildhauer hat sie zu den Kindern gemacht, die sich eher in Nachahmung der Großen als in wirklicher Liebe zu umarmen scheinen. Wolfgang Helbig, |
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