| Freskenfragment,
Apollo
Vor strahlend blauem Hintergrund, der oben durch einen feinen Fries aus violetten, quergestellten Voluten mit Palmetten abgeschlossen wird, sitzt Apollo zurückgelehnt auf einem Marmorthron mit hoher Rückenlehne und stützt den rechten Unterarm auf. Mit der linken Hand hält er die große aufs Knie gestellte Kithara, die locker herabhängende Rechte umfaßte wohl das Plektron, mit dem der Gott den sieben Saiten seines Instrumentes die Töne entlockte. Der Gott hält im Spiele inne und blickt mit strahlend geöffneten Augen nach rechts. Er ist mit einem Lorbeerkranz bekränzt. Welliges, rötlich braunes Haar fällt ihm in gedrehten Locken auf die Schultern. Quer über die Brust läuft der Riemen, an dem der Köcher hängt. Um den Schoß hat der Gott ein violett schimmerndes Gewand geschlungen. Neben seinem Thron steht der delphische Omphalos, der Nabel der Welt. Er ist mit einem rötlichen Tuch verschleiert und ein weitmaschiges Netz aus geknoteten Schnüren ist darüber geworfen, wie es bei fast allen Darstellungen des Omphalos begegnet. Das Fragment muß zu einer größeren Komposition gehört haben, in der Apollo die Mitte einnahm, wie sich aus dem Zusammenstoßen der Richtungen der Volutenkette genau über ihm ergibt. Man würde an eine Darstellung des Wettstreits mit Marsyas denken, der auch das Thema einer statuarischen Gruppe auf dem Palatin war, wenn der Omphalos in Darstellungen dieses Mythos begegnete. So muß diese Frage offen bleiben. Auf Grund seines Stils ist das Fragment ebenso wie auf Grund seines Fundorts in die augusteische Zeit zu datieren. Die Art, wie die helle Figur des jugendlichen Gottes sich klar von dem einfarbigen Grund absetzt, der noble Klassizismus und die verfeinerte Farbigkeit, die besonders mit den Violettönen des Volutenpalmettenfrieses an die Aula Isiaca erinnert, finden sich vor allem bei sicher augusteischen Wandmalereien wie der Villa unter der Farnesina und dem Gartensaal der Livia. Besonders ähnlich ist der Apollo in der Maltechnik manchen Figuren der Aldobrandinischen Hochzeit, zum Beispiel der Aphrodite. Die Profillinie, die weit geöffneten Augen, die vollen Lippen, das Karnat, die Strichelung bei der Schattierung sind nah verwandt. Wenn auch das Fragment vom Palatin im Ganzen qualitätvoller ist, stützen die beiden Malereien doch gegenseitig eine Datierung in augusteische Zeit. Apollo spielte in der Erneuerung der Religion durch Augustus eine bedeutende Rolle. Ihm glaubte Octavian den Sieg von Actium zu verdanken. Ihm hatte er an der Stelle seines Hauses nicht weit vom Fundort des Fragments einen Tempel errichten lassen. Ob die Malerei mit diesem Tempel im Zusammenhang stand und etwa aus einer der beiden neben diesem errichteten Bibliotheken stammt, läßt sich nicht mehr erweisen. Jedenfalls ist sie ein Werk des reinsten augusteischen Klassizismus, der in der Form die Erneuerungsbestrebungen des Princeps zum Ausdruck bringt. Wolfgang Helbig, |
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