| Kolossalgruppe
Gallierfürst und Frau
Die gewaltige Gruppe zeigt einen Gallierfürsten, der sein Weib getötet hat - die tödliche Wunde ist unter ihrer linken Achselhöhle erkennbar - und sich selbst das Schwert in die Brust stößt. Der Fürst schreitet gewaltig aus, blickt zurück zu den nicht dargestellten Verfolgern und stützt mit der Linken seine zusammenbrechende Gefährtin. Verachtung und Stolz spiegeln sich in seinen Zügen, die Überlegenheit des dem Tode Geweihten. Er ist nackt bis auf ein Mäntelchen, das um den Hals geschlungen ist und am Rücken herabflattert. Die ausfahrende, zum Umschreiten auffordernde Komposition ist einer Pyramidenform eingeschrieben, die die Bewegungsenergien zusammenfaßt und bändigt. Vor kühnen Überschneidungen schreckt der Künstler nicht zurück: der rechte Arm des Mannes muß zum Teil, auch im originalen Zustand der Vorderansicht, das Gesicht verdeckt haben. Überaus eindringlich greift die Gestaltung bis in die Details hinein, wie dies etwa die gebrochenen Augen und der überstandene Todeskampf im Antlitz der Frau, das spritzende Blut auf der Brust des Mannes unterhalb der Schwertspitze anzeigen. Tod und Selbstmord sind in einem rauschenden harten Pathos vorgetragen. Es ist ein Werk, dem man auch bei entgegengesetzter Haltung seine Bewunderung nicht versagen kann, und die gewaltige Konzeption des Bronzeoriginals bleibt selbst durch die Glätte der römischen Kopie trajanischer oder frühantoninischer Zeit erfaßbar. Hinter der Gruppe steht die unklassische Idee der Isolierung der Besiegten in ihrem Pathos die siegreichen Pergamener sind selbst nicht dargestellt gewesen. Zugleich klingt die stoische Bewertung des Freitodes als letzter Tat der Freiheit an: die Einsamkeit des Individuums in der Welt und seine letztlich unbezwingliche Freiheit wird deutlich. H. Brunn und A. Michaelis haben die Gruppe mit der pergamenischen Kunstschule in Verbindung gebracht. Die Gruppe geht wahrscheinlich auf eine Weihung von Attalos I. nach dem Sieg über den Gallierstammm der Tolistoagier an den Quellen des Kaikos zwischen 240 und 230 vor Chr. zurück. Mit der gleichen Weihung ist der sterbende Gallier im kapitolinischen Museum zu verbinden. Ob allerdings die Gruppen und die Einzelfiguren auf einem einzigen runden Sockel aufgestellt waren, wie A. Schober annimmt, muß nach neueren Untersuchungen fraglich bleiben, wo nicht abgelehnt werden. Spätestens vor 223 vor Chr. scheint die Gruppe aufgestellt gewesen zu sein, die vielleicht trotz der vorhandenen Unterschiede im Vergleich mit dem Sterbenden Gallier von Epigonos, dem großen pergamenischen Meister, entworfen wurde. Wolfgang Helbig, |
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