Kopf einer verwundeten Amazone, nach Polyklet
Kapitolinische Museen

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Die Kopie gibt einen der wunderbarsten Frauenköpfe der griechischen Hochklassik wieder. In der Neigung des Kopfes, dem ernsten stillen Niederblicken zu der Wunde, von der die Hand das Gewand fortzog, ist der ganze Schmerz der Getroffenen zusammengefaßt. Die Formen sind von größter Einfachheit und Klarheit. Keine Binde, kein Knoten unterteilt das Haar, das den Kopf wie ein dichtes Netz umzieht und hinten unauffällig zusammengesteckt und verflochten ist. Man erkennt das Bestreben Polyklets, sich so wenig wie möglich von der idealen sphärischen Grundform zu entfernen und der Wurzel aller plastischen Kraft. In den kunstvoll gelegten Strähnen, denen zu folgen einen Genuß bereitet, wie Schönheit ihn nur immer zu bereiten vermag, spürt man dann die andere Seite des Meisters, das Bedachte, die bis ins Kleinste gehende Sorgfalt seiner Kunst. Jede Strähne ist noch einmal feiner gestrählt, und es ist erstaunlich, wie der Kopist das reiche, schwierige Geflecht so lebendig und genau wiederholen, das Bronzewerk, das das Original gewesen ist, in Marmor übertragen konnte. Allein die Kopie ist ein Meisterwerk Wahrscheinlich ist sie einem Bildhauer der frühen Kaiserzeit zu danken.

Wolfgang Helbig,
Führer durch die öffentlichen Sammlungen
klassischer Altertümer in Rom

 

 

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