Statue des Silen mit Dionysosknaben
Vatikanische Museen

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Silen stützt sich mit der linken Schulter und dem Ellenbogen auf einen Baumstamm, hat das linke Bein keilförmig vor das rechte gesetzt, so daß die Füße fast in einer Flucht liegen, und wiegt das Dionysoskind in seinen Armen. Sein Gesicht hat nichts mehr vom alten wilden Waldschrat, sondern ist fast das eines ernsten, wohlwollenden, milden und zugleich kummervollen Pädagogen, der das Kind still anblickt. Der Kopf mit hoher Stirn und schütterem Haar ist von einem Epheukranz bekränzt, den auch der zurücklächelnde Dionysosknabe trägt. Die hochbeinige Silensgestalt ist frisch und sehnig gebildet. In ihr spielt sich der wiegende lysippische Rhythmus aus: keilförmig stößt das vorgesetzte Bein in den Raum, gegen den sich das breit in den vorgestreckten Armen gelagerte Dionysoskind abschließt, wobei das Anlehnen des Silen an den Stamm kaum für den Stand nötig zu sein scheint. Die Gruppe war im Altertum sehr beliebt, wie aus mehreren Wiederholungen hervorgeht, unter denen die vatikanische Kopie frühantoninischer Zeit keineswegs die beste ist Meist wird die Erfindung der Gruppe dem Lysipp selbst zugeschrieben, da sie unverkennbar lysippischen Charakter trägt. Man kann sich aber fragen, ob das gegensätzliche Verhalten im Aufstoßen und Abschließen des Umraumes nicht schon über Lysipp hinaus und in seine Schule weist. Dafür würde auch das intensiv durchgebildete Gesicht und der im lysippisehen Verhältnis zu große Kopf des Silens sprechen. Jedenfalls können wir im Vorbild ein Werk aus der Zeit um 300 vor Chr. erblicken, das vielleicht ursprünglich in Bronze gearbeitet war und auch ihm Thema der Götterstatue auf das kommende "Jahrhundert des Kindes" weist. Gegenüber dem Hermes des Praxiteles mit dem Dionysoskind fällt die weitaus "natürlichere" Haltung des Kindes in der lysippischen Gruppe auf.

Wolfgang Helbig,
Führer durch die öffentlichen Sammlungen
klassischer Altertümer in Rom

 

 

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