Verwundete Amazone, nach Kresilas
Vatikanische Museen

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Die Statue gibt eine der ephesischen Amazonen wieder. Die Rekonstruktion - antik ist nicht viel mehr als Kopf und Rumpf - läßt sich mit Hilfe besser erhaltener Repliken korrigieren. Danach stützte die Getroffene ihren linken Arm erschöpft auf einen Pfeiler. Der rechte war wie hier erhoben, die Hand ruhte auf dem schwach zur Seite hängenden Haupt. Wie die anderen Amazonen trägt sie den doppelt gegürteten, nur auf einer Schulter geknüpften kurzen Reiterchiton.

Der hier vertretene Amazonentypus wurde lange und wird zum Teil noch heute für die Schöpfung Polyklets gehalten. Aber nur das Standmotiv, die Art der Unterscheidung von Stand- und Spielbein, ist ähnlich wie bei Polyklet, der weitere Aufbau des Körpers verrät nichts mehr von den strengen Formgesetzen des Argivers. Im Gegenteil, der ganze Leib neigt sich zu der Seite mit dem nur locker aufgesetzten Fuß hinüber und müßte ins Schwanken kommen, würde der Pfeiler ihn nicht stützen. Dabei ergibt sich eine Parallelität der Becken- und Schulterlinie, die den Grundsätzen Polyklets entschieden widerspräche. Auch in der Seitenansicht wird deutlich, wie labil der Stand und wie vage auch die Haltung des Kopfes ist. Unruhig ist vor allem das Gewand mit seinem Wechsel von Steil- und Bogenfalten, dem Auf und Ab des Bausches und unteren Saumes. Ein gewisser Mangel an künstlerischer Strenge, darf man sagen, liegt schon in der Erfindung. Denn während die Amazonen des Polyklet und Phidias an ihren eigenen Lanzen Halt finden, wurde hier mit dem Pfeiler ein fremdes Mittel zu Hilfe genommen. Auch die getroffene Stelle - die Wunde sitzt nahe der rechten Brust - ist kaum akzentuiert. In der Weichheit, dem Vegetabilen, liegt andererseits der Reiz des kresileischen Werkes. Nur seine Amazone, die anmutigste, unmännlichste der ephesischen Gruppe, hat die Verwundung wehrlos gemacht nur sie scheint neben dem Schmerz auch Ermattung zu spüren. Leider gibt es in Rom keine Kopie, die davon ein besseres Bild geben könnte.

Wolfgang Helbig,
Führer durch die öffentlichen Sammlungen
klassischer Altertümer in Rom

 

 

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