| Minerva Im Palaste Giustiniani steht eine Minerva, die meine ganze Verehrung hat. Winckelmann gedenkt ihrer kaum. Als wir die Statue besahen und uns lang dabei aufhielten, erzählte uns die Frau des Kustode: es sei dieses ein ehmals heiliges Bild gewesen, und die Inglesi, welche von dieser Religion seien, pflegten es noch zu verehren, indem sie ihm die eine Hand küßten, die auch wirklich ganz weiß war, da die übrige Statue bräunlich ist.
Auch setzte sie hinzu, eine Dame dieser Religion sei vor kurzem da gewesen, habe sich auf die Knie niedergeworfen und die Statue angebetet. Eine so wunderliche Handlung habe sie, eine Christin, nicht ohne Lachen ansehen können und sei zum Saal hinausgelaufen, um nicht loszuplatzen.
Da ich auch von der Statue nicht weg
wollte, fragte sie mich: ob ich etwa eine Schöne hätte, die diesem Marmor ähnlich
sähe, daß er mich so sehr anzöge. Das gute Weib kannte nur Anbetung und Liebe, aber von
der reinen Bewunderung eines herrlichen Werkes, von der brüderlichen Verehrung eines
Menschengeistes konnte sie keinen Begriff haben. Wir freuten uns über das englische
Frauenzimmer und gingen weg mit der Begier umzukehren, und ich werde gewiß bald wieder
hingehen. |
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