Der Nil
Paul Hertz, "Italien und Sizilien", Briefe an die Heimat, 1878

Nicht zuletzt wollen wir uns dem "Nil" zuwenden, welcher in einem halbkreisförmigen Ausbau der Halle seinen Platz gefunden hat. Da liegt der kolossale Flußgott, lang hingestreckt. Mit dem linken Arm stützt er den emporgerichteten Oberleib auf eine Sphinx, in der Hand hält er ein Füllhorn mit Blumen und Früchten als Sinnbild des Segens, den er über Aegypten ausbreitet. Seine rechte ruht, Aehren haltend, nachlässig auf dem Knie.

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16 Genien, herzige kleine Burschen, nicht größer als zweifach die Hand des Gottes, die 16 Ellen, welche der Nil jährlich steigt und fällt, bedeutend, umgeben ihn. Sie klettern in kindlicher Lust auf dem großen Mann umher; einem ist es gelungen, bis auf seine Schulter zu steigen. Dort sitzt er nun und hält sich an den Haaren des gutmüthigen Riesen fest;

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ein anderer hat sogar das Füllhorn erklettert, triumphierend steht er, die Arme über einander geschlagen, inmitten der Blumen und Früchte;

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andere krabbeln ihm auf Armen und Beinen, wo sie nur ankommen können, während wieder andere im Vordergrunde ein Krokodil und ein Schneumon gegeneinander hetzen.

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Diese Gruppe ist voll genrehaften Reizes. Die unendliche Gutmüthigkeit des gewaltigen Mannes, der sich allen diesen Schabernack geduldig gefallen läßt, ist geradezu rührend. Würde er eine unvorsichtige Bewegung machen, so erdrückte er, ohne es zu wollen, einige der kleine Gesellen. Aber sie wissen wohl, daß er das nicht thut, sie spielen auf ihm herum, so sicher wie auf ihrem Spielplatz. Dazu der Kontrast zwischen den riesigen, kraftschwillenden Gliedern des Gottes und den kindlichen Formen der Genien, zwischen seinem tief ernsten, fast schmerzlichen Gesichtsausdruck und dem lustigen Treiben der Kleinen

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- es ist eine Gruppe, die man nicht müde wird zu betrachten und deren Anblick immer wieder das Herz erwärmt und erfreut.

 
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