| Sibylle Mertens - Schaafhausen, Kunst- und Altertumsfreundin Rom 1846 Dafür ist aber auch eine große Soirée in einem altfürstlichen Hause in Rom eine Sache, deren Anblick man wohl außer hier fast nirgends genießt. Du fährst unter den Marmorsäulenhallen eines prächtigen, mit antiken Statuen, Basreliefs und Fontänen geschmückten Cortile vor die Haupttreppe, deren Marmorstufen, niedrig und tief und von gewaltiger Breite, dich ohne Beschwerde zu dem Piano nobile des Palastes führen.
Auf jeder Treppenruhe Statuen, mitunter von höchstem
Wert. Oben prächtige Korridore oder offene Säulenhallen; dann Vorzimmer mit Bedienten in
reicher Livrée gefüllt, dann der letzte Vorsaal rings mit gepolsterten Bänken, der
Plafond mit Fresken, die Wände mit bedeutenden Bildern geschmückt; dann die lange Reihe
der Gemächer, in denen die Pracht der früheren Jahrhunderte mit dem reichen Luxus
unserer Tage sich vereint. Und all diese Räume erfüllt von Frauen in glänzendem Schmuck
und Männern, an deren Namen sich eine große Erinnerung oder eine geistige Bedeutendheit
knüpft. Am vorigen Donnerstag waren bei der Senatorin von Rom nur achtzehn Personen, und
unter ihnen der Senator Fürst Orsini, ein Name auf allen Blättern römischer Geschichte
seit dem Mittelalter verzeichnet, der Kardinal Macchi, lange Nuntius in Deutschland, der
erste Kämmerer des Papstes Monsignore Medici, der Abbate Coppi, einer der gelehrtesten
Männer Roms, der Kardinal Gazula, ausgezeichneter Literat, die Gräfin Orfei, die beste
Dichterin Roms, der Prinz Caëtani Sermoneta, dessen Familie aus dem zehnten Jahrhundert
datiert, er selbst einer der geistreichsten Männer und mir ein sehr lieber Bekannter,
Tenerani, Roms erster Bildhauer. Und solche Menschen und solche Namen begegnen dir
überall! |
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