"ITALIEN IM FORUM"

Das Programmheft

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In Italien

Diesseits der Tyroler Alpen, der Scheidewand Italiens
von Deutschland, waren die Spuren des Winters noch
nicht verloschen.
Auf den Fluren sproß zwischen verdorrten Grashalmen
nur hier und da ein frisch grünendes Blättchen hervor;
die Baumknospen waren noch verschlossen,
die nördlichen Bergseiten mit Schnee überdeckt.
Jenseits - lächelte ein blühender Frühling mir entgegen,
als ich von den Alpenhöhen in Italiens Ebne herabstieg.
Hier hatten die Wiesen ihr frisches,
mit Blumen durchwirktes Grün;
der Fruchtbaum und die Fruchtgehänge des Weinstocks
entfalteten Blüthen, und Blätter; und fern im
Hintergrund einer reizenden Frühlingsaussicht erhoben
sich die mit Schnee bedeckten Alpenspitzen.
Von diesem schnellen Übergang aus einem rauhen in ein
mildes Klima - dem Werk von zwei Tagen und Nächten -
und von dem Eindruck dieses plötzlichen Wechsels der
Jahreszeiten auf die Seele, entwirft die blühendste
Dichterphantasie keine treffende Darstellung.
Es war das herzerhebende Bild des Überganges vom Tod
zum Leben.

Eine der schönsten mir bekannten Landstraßen führt
über die steilen und rauhen Tyroler Alpen. Sie ist breit,
vortrefflich angelegt und unterhalten. Die Aussichten
sind so malerisch als abwechselnd. Der Charakter des
Gebirges umher ist Erhabenheit und unbezwungene
Größe. Die romantischen Thäler öffnen sich in den
Schooß starrer und gewaltiger Felsmassen. Bei jeder
fast unmerklichen Wendung des Weges ändern sich die
Szenen; immer neu und groß wechseln die Aussichten
mit einander ab.

Friedrich Johann Lorenz Meyer
Domtherr in Hambuig
1792

 

 

Saluto
Grußwort

Als ich im Spätherbst des vergangenen Jahres gebeten wurde, die Schirmherrschaft des Italienischen Abends
im Forum der Hochschule für Musik und Theater zu übernehmen, bin ich diesem Wunsch gern nachgekommen.
Ich war erst weniqe Monate zuvor als italienischer Generalkonsul mit meiner Familie in diese schöne Stadt
gekommen, um die Interessen meiner in der Freien und Hansestadt Hamburg lebenden Landsleute zu vertreten.

In Hamburg 1eben ca. sechstausend italienische Staatsbürger; von diesen sind viele in der Gastronomie
beschäftigt - ca. 300 italienischen Restaurants und Pizzerien. Ich werte dies auch als Beweis für die gute
Integration der Italiener in der Hansestadt und für die Zuneigung der Hamburger zu meinem Land und zu
seiner Gastronomie. Außerdem gibt es auch viele italienische Geschäfte, z. B. für Lebensmittel, Lederwaren,
Mode und Accessoires, Porzellan, Weine usw. Hamburg ist eine tolerante und weltoffene Stadt; das wird
auch dadurch bewiesen, daß es in dem guten Zusammenleben der deutschen und italienischen Mitbürger
keine schwerwiegenden Schwierigkeiten gibt. Noch eine Tatsache, die dies beweist, ist das Italienische
Kulturinstitut, das 1953 hier gegründet wurde, und dessen Sprach- und Kulturkurse von mehreren tausend
Hamburgern besucht werden. Man könnte diese Aufstellung noch weiter fortführen, aber das würde diesen
Rahmen sprengen.

Ich begrüße die völkerverbindende Initiative der Hochschule für Musik und Theater
und wünsche dem "Italienischen Abend" viel Erfolg und gutes Gelingen.

Dr. Niccolò Goretti de Flamini
Italienischer Generalkonsul

 
 

 

Italien im Forum

Sonnabend, 19. Juni 1993

Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Harvestehuder Weg 12, Eingang Milchstraße

 

Das Programm

Foyer der Hochschule

18.30 Uhr

Eröffnung durch den Präsidenten derHochschule,
Prof. Dr. Hermann Rauhe

Jürgen Mulzer - Bilder aus Italien
Eine Fotoausstellung

Begrüßung mit einem Glas ital. Sekt

 


 

Fräulein Lilly Käsebier
an
Fräulein Lotti Jürgens
Berlin NW

"Hier ist alles wahnsinnig italienisch"

und

"Venedig ist wahnsinnig echt"

Ludwig Thomas  Erkenntnisse
vonseiner Italienreise 1903

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"Sehr angenehm in jeder Beziehung ist der Bädeker, den Onkel Fritz bei sich trug und mit dessen Hilfe wir uns
prachtvoll zurechtfinden konnten. Auch steht Alles darin, was man zu besehen hat und ein Menge Gelehrsamkeit,
so daß man immer gleich weiß, ob man sich für einen Gegenstand begeistern muß oder nicht, wodurch das
Studium der Merkwürdigkeiten sehr erleichtert wird Onkel Fritz nannte den Bädeker daher kurzweg das
Rezeptbuch zum Reisen."

Julius Stinde
Buchholzens in Italien
1883


 

Forum der Hochschule

19.00 Uhr

Begrüßung durch den italienischen Generalkonsul,
Dr. Nicollò Goretti de'Flamini

Reisewege nach Rom:
Diaprojektionen in Überblendtechnik

Diaprprojektion:
Venedig

 

Antonio Vivaldi: "Sommer" aus den 4 Jahreszeiten op. 8 Nr. 2
Allegro non molto - Allegro

 

Diaprojektion:
Vicenza - Florenz - Ravenna

 

Lesung:

Reiseberichte vorwiegend norddeutscher, speziell Hamburger Autoren und Musiker des 18. und 19. Jahrhunderts wie Friedrich Johann Lorenz Meyer (Hamburger Domherr), Friedrich Leopold Graf zu Stolberg, Caspar Baron Voght, Erwin und Hans Speckter, Hans Christian Andersen, Hermann Allmers (Marschendichter), Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy und seine Schwester Fanny Mendelssohn etc.

 

Diaprojektion:
Cinque Terrre

 

Antonio Vivaldi: Concerto grosso d-moll op. 3 Nr. 11
Largo

 

Diaprojektion:
Pisa.- Lucca

Lesung:
Reiseberichte....

 

Diaprojektion:
Toskana - Siena

 

Lesung:
Reiseberichte....

Ottorino Respighi: Suite Nr. 3 Antike Tänze und Arie Italiane - Arie di Corte

 

Diaprojektion:
Rom

 

Es spielt: das Kammerorchester der Hochschule
unter der Leitung von Prof. Nelly Söregi Wunderlich
Es liest: Hans Kremer Thalia Theater
Textauswahl: Henning Kluger
Am Flügel: Hedwig Florey

 

 

Foyer der Hochschule
20.30 - 21.30 Uhr

In der Pause Möglichkeit zu einem "Spuntino" (italienischer Snack)
zum Preis von DM 20.- pro Teller.

 

 Während der Pause: Musicalhighlights
Friederike Krum, Gesang – Thomas Hettwer, Klavier

 

Forum der Hochschule
21.30 Uhr

Belcanto!

 

"Deli vieni alla finestra" aus "Don Giovanni" (Wolfgang Amadeus Mozart)
Rainer Schnös

"Morte di Rodrigo" (Posas Tod) aus "Don Carlo" (Giuseppe Verdi)
Guido Weber - Thorsten Scharnke

"Non sono in vena", "Che gelida manina", "Mi chiamano Mimi", "O soave fanciulla"
aus dem 1. Akt der Oper "La Boheme " (Giacomo Puccini)
Birgit Binnewies, Thorsten Scharnke, Guido Weber, Rainer Schnös

"Marechiare ", "Non t'amo più" , "L`ultima canzone"
3 Romanzen von (Sir) Francesco Paolo Tosti
Rainer Schnös

"Core ingrato" (Salvatore Cardillo)
Rainer Schnös

Am Flügel: Prof Dr. ManfredSchandert

 

"Tarantella goes Jazz"

Ferdinand von Seebach, Posaune - Jan Peter Klöppel, Trompete
Erek Siebel, Klavier - Stefan Weeke, Baß - Martin Engelbach, Schlagzeug

 

 

Ennio Marchetto

in "Carta Diva" (Diva aus Papier)

Der junge gebürtige Venezianer, seit vier Jahren gefeierter Star und dennoch seltenerGast
auf Europas Festivalbühnen, gönnt sich und seinem Publikum an diesem Abendkeine
Atempause. 60 Minuten lang präsentiert er eine schrille Personality Show, die inihrem
Einfallsreichtum, ihrer Spritzigkeit, ihrer spielerischen Leichtigkeit einzigartig ist.40
verschiedene Personen und Figuren aus dem Show-Business, der Mythologie, aus derWelt
des Märchens, der bildenden Kunst, des Theaters und des Films zaubert er im Minutentakt
auf die Bühne, verzerrt spottet, überzeichnet.

 

Zum Ausklang des Abends laden wir Sie herzlich zu einem Eis, bei italienischem
Wetter im Garten der Hochschule, ein. Bei Kerzenschein spielen:

MichaeBentzien und Dirk Martin

Gitarrenwerke von:
Domenico Scarlatti: Sonate a- moll (1685 - 1757)
(Mauro Giuliani: Variazioni concertanti op. 130 (1781 - 1829)
Astor Piazzolla: Tanqo (1921 – 1992))

 
 

Saluto
Grußwort

Wir sind der Hochschule für Musik und Theater dankbar, daß sie uns die Möglichkeit zu einer Zusammenarbeit geboten hat, aus der eben "Italien im Forum" entstanden ist. L 'Istituto Italiano di Cultura Hamburg ist eine Art "Kultur-Agentur" des italienischen Außenministeriums und gilt als Vorposten der italienischen Kultur sowohl der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Unsere Aktivitäten reichen von den visuellen bis zu den darstellenden Künsten, von der Literatur bis zu Sprachkursen und der Vergabe von Stipendien. Unser Auftrag beinhaltet auch, den kulturellen Austausch zu Fördern und italienischen Künstlern aller Bereiche ein Forum zu bieten. Die Römer kamen bis zur Elbe; lIstituto Italiano di Cultura Hamburg läßt im Rahmen von "Italien im Forum" der Hochschule für Musik und Theater den venezianischen Verwandlungskünster Ennio Marchetto an die Alster kommen.

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Der "Trasformista" Ennio Marchetto präsentiert 60 Minuten lang eine schrille Personality-Show mit dem Titel "Carta Diva" (Diva aus Papier). Mit souveräner Spritzigkeit und Leichtigkeit stellt er verschiedene Personen und Figuren aus dem Show-Business, der Welt des Märchens, der bildenden Kunst, des Theaters und des Films dar. Dieser Sohn Venediqs und seines Karnevals wurde in der Nähe des Hauses, in dem Goldoni gelebt hat, geboren. Er zog also aus der Commedia dell'Arte und auch aus Walt Disneys Welt seine Hauptinspirationen. Seit seiner Performance im Jahre 1990 für das berühmte "Edinburgh Festival" ist Marchetto ständig auf Welttournee. Ennio Marchettos Auftritt zu später Stunde soll der genußreiche Abschluß der mehrere Stunden dauernden Veranstaltung "Italien im Forum" sein. Wir hoffen, daß Sie sich u. a. durch die Darstellung von "Mona Lisa", "Pavarotti", "Edith Piaf", "der Callas", "James Bond" und der "Venus von Milo" auf eine magische venezianische Art unterhalten fassen!

Prof. Dr. Giorgio G. Campanaro,
Leiter des Istituto Italiano di Cultura

 

 

 

Florenz und der Chianti

"Godi, Fiorenza, poi che se si grande
e per l`inferno il nome tuo si spande."
(Freu dich Florenz, sogar der Teufel Blase
Gerät ob deinem Namen in Ekstase)
Dante, Inferno XXVI, 13

 

 

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Warum der Name Fiorenza bis in die Hölle erklingt? Ganz einfach, weil
man in den höllischen Kreisen mit Vorliebe... Chianti zu trinken scheint,
nach Friedrich des Großen Sentenz vom Rheinwein "er schnürt die Kehle zu
und gibt dem Delinquenten den Vorgeschmack des Hängens!"
Wohlverstanden, des Hängens im angenehmen Sinne, wenn man den Chianti
erst trinken gelernt hat, wie Gräfin Isabella Guicciardini, die unterm
9. Januar 1542 ihrem Gatten schreibt: "Der Chianti schmeckt mir und ich
halte mich feste daran". Und die hochedle Frau Gräfin haben Recht. Ist einmal die erste Phase des Zusammenschnürens überwunden, so gewinnt man der Sache sogar Geschmack ab und bedauert nur, daß die Prophezeiung jenes Eremiten nicht in Erfüllung ging, die Stadt Florenz werde ihrer Sünden halber in Chianti ersäuft werden. Also prophezeit zu Vallombrosa, anno Domini 1333.

Hans Barth
Osteria, Führer durch Italiens Schenken
Stuttgart 1905

 

 

 

Saluto - Grußwort

Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Istituto Italiano di Cultura und unserer Hochschule blickt auf eine lange Tradition zurück. Sie gehört zu den vielen internationalen Kontakten und völkerverbindenden Aktivitäten, die das spezifische Profil unserer Hochschule prägen.

Als ausgesprochener Italien-Liebhaber freue ich mich besonders über diese gemeinsame Veranstaltung "Italien im Forum" und danke Herrn Jürgen Mulzer, daß er die Initiative hierzu ergriffen und das Projekt mit viel Liebe, persönlichem Einsatz und organisatorischer Kompetenz geplant und realisiert hat. Mein Dank gilt auch Herrn Generalkonsul Dr. Niccolò Goretti de'Flamini und Herrn Prof. Dr. Giorgio G. Campanaro für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung dieser gemeinsamen Veranstaltung.

Meine Begegnung mit Italien gehört für mich zu den eindrucksvollsten Reiseerlebnissen der letzten Jahre. Das Zusammenwirken von Landschaft und Kunst finde ich so faszinierend wie es Goethe am Beispiel der Bucht von Taormina beschrieben hat: er nannte sie das "ungeheuerlichste Natur und Kunstwerk" als er sie von den Steinstufen des griechischen Theaters aus überblickte, mit dem Ätna im Hintergrund, dem größten und beeindruckendsten Vulkan Europas. Ähnlich erlebte ich die Toscana, den einmaligen Zauber dieser herrlichen Landschaft, ihrer Kultur- und Kunstschätze, Rom, dessen Atmosphäre und Kunst mich überwältigten, und vor allem Venediq, jene Stadt, aus der Ennio Marchetto stammt und in der ich gern leben würde, wenn ich Hamburg verlassen müßte.

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Was mich immer wieder begeistert, ist die Art und Weise, wie Italiener leben. Ich liebe ihr Temperament, ihre Vitalität, ihre Heiterkeit, Freundlichkeit und Würde, ihre spontane Ausdrucksfähigkeit und Intensität: sie legen mehr Wert auf das "Sein" als auf das "Haben". Sie genießen den Augenblick und blicken nicht ständig sorgenvoll in die Zukunft wie wir. Auch die kulinarische Kultur des Essens und Trinkens macht Italien zu einem angenehmen Reiseland.

Ich wünsche der Veranstaltung "Italien im Forum" daß sie vom Geist dieser italienischen Kultur und Lebensweise inspiriert wird und ihn den Besucherinnen und Besuchern lebendiq vermittelt!

Prof. Dr. Hermann Rauhe,
Präsident der Hochschule für Musik und Theater

 

 

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Rom 1839

Aber das Campo vaccino ist doch schön!
Auch eine von den originellen und kuriosen Örtlichkeiten, die trotz aller Bilder und Beschreibungen überraschen... Das Campo vaccino ist so eigen zufällig. Aus der großen Prätension und Absichtlichkeit der Römer und ihrer Bauten hat die Natur und die Zeit einen elegischen Trümmerhaufen gemacht, der an Reiz wohl schwerlich seinesgleichen haben möchte. Wie nun da gegraben und gemaulwurft wird und eine Säule und ein Stück Mauerwerk und ein Stück Fußboden nach dem andern zutage kommt, vieles noch unter der Erde steckt, anderes an der Luft schon wieder bewachsen ist, so erlebt dies merkwürdige Stück Gotteswelt eine neue Geschichte zu den vielen, die schon darüber hingegangen. '

Fanny Mendefssohn, Musikerin und Komponistin, Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys
1839 über das Forum Romanum

damals noch eine Viehweide (Campo vaccino).

 

 

 

Sehnsucht nach Italien'

Deutsche Italiensehnsucht!- Ein Thema mit unzähligen Variationen. Vor dem geistigen Auge sieht man sie aufbrechen, die Barbarenhorden aus dem neblig-kalten Norden und jauchzend einbrechen in das Land der Pomeranzen, Zypressen und "blühenden Zitronen", der Arenen, Triumphbögen und klassischen Säulenordnungen, der Cappuccini, Ossobuchi, Spaghettini, aber auch Vetturini, Briganti, Tangentisti. Kein Klischee erweist sich so hartnäckig wie all jene, die Deutschland mit Italien verbinden, und doch ist mit gleicher Sicherheit kein Gegenstand zu denken, der immer wieder neu so alte und tiefe Empfindungen weckt wie das klassische Sehnsuchtsland der Deutschen.

Deutsche Italienreisen sind daher älter als die Deutschen selbst, führen sie zurück in den Urgrund ihrer Seele, in die vorgeburtlichen Träume ihrer Existenz. Als Völkerwanderer brechen sie sich an den Toren von Verona, Ravenna und Rom, reißen sie in langobardischer Verkleidung Städte und Latifundien an sich und werden sie doch am Ende überwältigt von der gewaltigen, uralten Kraft antiker Lebensform. Als fromme Pilger drängen sie zu den Gräbern der Apostelfürsten der "Roma sancta" , um ihr eigenes kleines Konto zu eröffnen auf der gewaltigen Seelenrettungsbank die von der "ecclesia catholica " aus dem Blut und den Tränen der frühchristlichen Märtyrer errichtet wurde. Als römische Könige ziehen sie mit klirrenden Heeren lindwurmartig in den Garten "Italia" ein, um ihren niemals gestillten Hunger nach Transzendenz und Endgültigkeit zu stillen: Kaiser wollen sie werden, Universalreiche errichten, Gott in die Knie zwingen oder wenigstens im Busento ertrinken, auf dem Aventin an der Malaria sterben oder in Pippas Armen an der Syphilis. Damit aber befinden sie sich schon mitten im 16. Jahrhundert, auf dem Gipfel der Renaissance, jener Zeiten der Wiedergeburt der Antike, des Schönen, des Menschen aus dem Fleisch Italiens. Ökonomie und Kultur sind die Träger des "Rinascimento". Schon längst reisen Kaufleute aus Nürnberg, aus Augsburg, Regensburg - aus dem prosperierenden Süden Deutschlands nach Venedig, nach Genua: die großen Geschäfte macht man in Italien. Der Fondaco dei Tedeschi - das Handelshaus der Deutschen in Venedig - nimmt sie auf, überwacht sie und bringt ihnen bei, wie man richtig rechnet, nicht als Mathematiker, sondern als Kaufmann. Und mit den Fuggern, den Runtingern, den Stromer kommen die Künstler und die Gelehrten. Aus Nürnberg ein junger langhaariger Beau namens Dürer, ein spöttischer Patrizier, den die Humanisten in ihr Herz schließen, nur seinen Namen können sie nicht aussprechen: Pirckheimer. Und mit und nach ihnen immer weitere Fluten junger Künstler, mittelalterlicher Gelehrter, Bildungsreisender jeden Alters.

Denn Schönheit und Bildung treten nun neben das alte Motiv der Frömmigkeit, wenn "Privatiers" nach Italien reisen. Studenten versuchen schon seit dem 13. Jahrhundert, Studienplätze in Bologna, Padua, Pavia zu ergattern. Die Aristokratie aber sieht hier das Ziel ihrer "Kavaliersreisen": Ein bißchen Studium, ein wenig Kirche und sehr viel Lebenskunst - ein Mixtum aus Welterfahrung und Anschauung des Schönen in Kunst, Musik und Architektur - erscheint den höfischen Präzeptoren als das richtige Rezept. Prinzen aus regierenden Häusern treffen auf junge mittellose Adlige und wohlhabendere Patrizier. Bündnisse und Aufstiegschancen wittern die jungen Reisenden ebenso wie der Liebe Leid und Lust. Zumal Venedig gilt als luxuriöses Bordell, schaumgeboren dem Meer entstiegen, wo jeder Ruderschlag der Gondolieri wie ein Liebesstoß scheint und prächtig gebundene Kataloge über Vorzüge und Preise der schönsten und gebildetsten Konkubinen der Welt unterrichten. Hier verliert sich August der Starke im Spiel mit einer geheimnisvollen "Patrizierin", doch hält er sich schadlos an Tennismatches, die er zur Bewunderung der Einheimischen und Fremden allesamt haushoch gewinnt. Und schon drängen neue Reisegruppen heran. Nach Bildern, Melodien und Bauten regiert nun die Natur. Bürgerlichte Touristen wetteifern mit den Kavalieren um die Bellavista einer Theorie des Schönen. Und in bella Itafien wetteifert das Naturschöne mit dein Kunstschönen gespiegelt in immer artistischeren Reisebriefen, Reisebüchern, Reiseführern der Herren Heinse, Winckelmann, Volkmann, Moritz, Goethe, Stolberg, Jacobi, Meyer, Humboldt, Rehfues und Natürlich jener Damen, die immer weniger auf Briefe warten, sondern selber schreiben: Humboldt, Schlegel, von der Recke, Seidler, Brun und vieler, vieler mehr. Im Gefolge der großen Revolution, die man selbst nicht macht, aber am französischen Nachbarn zunächst bewundert, dann haßt und der man sich doch nicht entziehen kann, tritt nach der schönen Natur die Lust am italienischen "Volksleben" ins Zentrum des bürgertouristischen Augen-Blicks. Mit Seume erwandert sich das deutsche Bürgertum die soziale Wahrnehmung Italiens und gibt sie weiter an die Unzahl seiner malerpoetischen Söhne von Kestner bis Richter. Pifferari, Venditori ambulanti, die Jettatura, die Befana, primo maggio etc. etc., aber allem voran der Karneval, werden von ihnen wieder und wieder porträtiert und dabei sie selbst zur Staffage des "malerischen Volkslebens" - frühe Archetypen der europäischen Bohème an den weindurchtränkten Tischen des Cafè Greco in Rom. Damit aber ist der Kreis aller Wahrnehmungen durchschritten. Das Heilige, Macht, das Schöne in Kunst und Natur, das Vermächtnis der Antike, am Ende der Mensch selbst in seiner Landschaft bestimmten die Anziehungskraft Italiens. Diese wurde Teil der kulturellen Tradition Deutschlands, nistete sich ein im "Gemüt". Sehnsucht nach Italien blieb und verharrt in ihm, wenn auch stets in Gefahr, zur Pittoreske, Tira-mi-sù- Gourmandise und Toskana-Fraktion zu verkommen. Aber eben auch als Möglichkeit zur Wahrnehmung der eigenen Seele zu dienen.

Prof. Achatz Freiherr von Müller

 

 

 

Rom Dienstag, den 5. November 1833

"Spazierte über den Monte Cavallo und
verirrte mich zwischen Weingärten und Ruinen,
so daß ich auf eine Einfriedung
steigen mußte,um zu sehen, wo Rom lag.
Aber ich konnte es nicht entdecken'

Der Dichter Hans Christian Andersen
in seinem Tagebuch
der Italienischen Reise.

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Ohne die finanzielle Unterstützung folgender Firmen und Institute sowie die Mithilfe folgender Personen wäre die Realisierung dieses Abends nicht möglich gewesen:

Alitalia

Società Dante Alighieri Deutsch-Italienische Gesellschaft e.V. Hamburg

Bankhaus Hesse Newman & Co - Gruppe BANCA NAZIONALE DEL LAVORO

Michael Bentzien

Sylvia Bischof

Böttger & Strobl GmbH

Yun Sun Cho

Birgit Binnewies

Otello F. Bisotti GmbH und Co

Prof. Dr. Giorgio G. Campanaro

Benjamin Claren

Dr. Niccolò Goretti de' Flamini

Martin Engelbach

Julius von Engelbrechten GmbH

Berit Fentzahn

Hedwig Florey

Jan Förster

Prof Dieter Glawischnig

Prof. Ursula Gompf

Prof. Klaus Hempel

Thomas Hettwer

Wolfram Hillenbrand

Istituto Italano di Cultura Hamburg

ITALIENTOURS Vacanze Italiane

Blumen Jürs

Jan Peter Klöppel

Henning Kluger

Hans Kremer

Friederike Krum

Langnese Iglo GmbH

Susanne Mahnke

Dirk Martin

Isabelle Mertes

Anita Moschetti

Prof. Achatz Freiherr von Müller

Susanne Mulzer

Jürgen Mulzer

Birte Nissen

Nicola Franco Podio

Heinz Polster

Prof. Dr. Hermann Rauhe

Galina Roreck

Prof. Dr. Manfred Schandert

Thorsten Scharnke

Prof. Michael Schlüter-Padberg

Rainer Schnös

Ferdinand von Seebach

Erek Siebel

Susanne Schwarz

Harald Schilling

STEINWAY & SONS

Gerda Wietstok

Prof. Nelly Söregy-Wunderlich

Manabu Suzuki

Guido Weber

Stefan Weeke

Katafin Zsiga

 

Ton: Andreas Hübner

Bühne: Wolfgang Thies

Beleuchtung: Jorge Davidson

 

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