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Wir wollen jetzt einen kleinen Rundgang durch diese idyllische Gräberstätte machen, können uns aber von den über 4000 Grabstätten nur einigen widmen. In unserer Nähe die schon erwähnten Säulenstümpfe als sichtbares Andenken der früh verstorbenen Söhne der Familie von Humboldt. Uns gegenüber das Grabmal des Malers Asmus Jacob Carstens, geb. 1754 bei Schleswig. Er warf die "Fesseln" seiner heimatlichen Förderer in Rom ab und wurde zum Haupt der idealen klassischen Kunst. Er starb 1798 in Rom. Hinter uns das von der Antike inspirierte schöne Grabmal der Lady Temple.

Grabmal der Lady Temple. Es wurde 1810 von dem schwed. Bildhauer Göthe hergestellt.

Ein paar Schritte weiter die Ruhestätte des englischen Dichters Keats. Das kurze Leben und tragische Ende des Dichters scheinen besonders die Engländer immer noch besonders zu faszinieren. Keats kam im September 1820 nach Rom, als er schon schwer an Schwindsucht litt, und starb vier Monate später im Alter von 26 Jahren. In welcher Enttäuschung und Verbitterung er endet, verkündet sein Grabstein, der weder Namen noch Datum nennt, sondern folgende Inschrift:

Dieses Grab verbirgt alles, was sterblich ist an einem jungen englischen Dichter, der aus seinem Sterbebett in der Bitternis seines Herzens über die böse Macht seiner Feinde den Wunsch aussprach, daß die folgenden Worte auf seinem Grab eingraviert würden "Here lies one whose name was write in water". Sein Name erscheint aber doch auf der Grabplatte seines Freundes Severn, der an seiner Seite liegt, und der dort als "ergebener Freund und Grabgenosse von John Keats" bezeichnet wird. wpe1F.jpg (16816 Byte)

Grabmäler von John Keats und seinem Freund Joseph Severn

Ein wenig weiter des Weges, vor der Pyramide, das Grabmal des schon erwähnten Studenten Langton und des jungen Barons aus Hannover, Georg von Werpup. Über ihn läßt sich folgende kleine Geschichte erzählen: Er starb 1765 im Alter von 25 Jahren infolge eines sonderlichen Unfalls. Er fiel aus seinem Wagen, als er die Via Flamina entlang fuhr. Daran knüpft sich die Legende, daß er in einer Audienz bei Papst Klemens XIII. in seiner Begeisterung für Rom den Wunsch geäußert haben soll, in Rom zu sterben und an der Cestius Pyramide seine ewige Ruhestätte zu finden. Tatsächlich starb er gleich darauf,und sein Wunsch wurde ihm erfüllt. Dort das Grab des hoffnungsvollen romantischen Malers Carl Philipp Fohr, der im Alter von 23 Jahren beim Baden im Tiber ertrank.

wpe20.jpg (21809 Byte) Ohne Grabstein ruhen hier auch Johann Sebastian Bach jun., ein Enkel des großen Komponisten, gest. 1778. Er fand seine Erfüllung in der Malerei. Aus dem Kreis der römischen Freunde Goethes liegen hier der Bildhauer Alexander Trippel, gest. 1793, der eine viel beachtete Büste Goethes schuf, und der Hofrat Joh. Friedrich Reiffenstein, gest. 1793, ein geschätzter Cicerone seiner Zeit, an deren Führungen und Erläuterungen Goethe oft teilnahm.

 

Grabstein des Georg von Werpup

Verlassen wir nun den alten Teil des Friedhofes und gehen zum neuen hinüber, zur sogenannten "Zona Vecchia" und später zur "Zona Prima" und "Zona Seconda". In diesen neuen Teilen wurde von vornherein eine Belegung der Gräber in Reihen vorgesehen. Hier empfängt uns wieder ein Idyll von verwitterten Grabsteinen, üppig wucherndem Pflanzenwerk, Blumen, hohen Bäumen, sanftem Licht und milden Schatten, Statuen, schlafenden Katzen, huschenden Echsen und trauernden Engeln. Nicht Trauer und Wehmut der Vergänglichkeit, sondern eher eine Poesie des "Seins" ergreift uns.

Wir stehen vor der Grabstätte August Kestners, gest. 1853, des Sohnes von Goethes Lotte, welche etwas versteckt hinter kleinen Palmen, gleich gegenüber dem Eingang liegt. Er hatte das Amt des Ministerresidenten in Hannovers Diensten inne. Während seines langjährigen Romaufenthalts war er ein geschätzter Freund und Förderer der deutschen Künstler. Seine Sammlung von Kunstwerken und Altertümern ging nach seinem Tode an das Kestner Museum Hannover.

Ein wenig weiter oben links treffen wir auf die Grabstätte des Joh. Chr. Reinhart, gest. 1847, der einer der Begründer der klassischen deutschen Landschaftsmalerei war. Während seines langen römischen Aufenthaltes stand er im Zentrum des deutschrömischen Künstlerlebens.

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