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Villeggiatura Schon am Ende des Septembers beginnt hier das Fest der Weinlese. Winzer und Winzerinnen ziehen jeden Morgen, vor Tagesanbruch, schaarenweise mit fröhlichem Gesange in ihre Vignen hinaus, und kehren mit der Nacht, Schwärmen froher Bachanten gleich, singend und tanzend, und brennende Fackeln schwingend zur Stadt zurück. Mit dem ersten Oktober ruhen die öffentlichen Geschäfte; die Gerichtshöfe sind geschlossen, Kollegien und Schulen haben Vakanz. Alles ist in froher Bewegung, und eilt in die langersehnte Villeggiatura hinaus. Wer eine Villa, einen Weinberg, ein Landgut besitzt, bringt daselbst mit seiner Familie, oder in Gesellschaft von Freunden, seinen Oktober zu.
Wer die Kosten einer Villeggiatura auf dem Lande nicht bestreiten kann, schränkt sich auf eine Vignata ein, d. h. er besucht an einem schönen Oktobertage mit seiner Familie, oder in Gesellschaft einiger Bekannten, einen Weinberg vor Rom. Eigentlich aber ist der Monte Testaccio, mit der ihn umgebenden Wiesenflur, der Hauptort für die Oktoberlust des römischen Volks. In diesem merkwürdigen Hügel, der im alten Rom, nach und nach, aus den angehäuften Scherben irdener Gefäße entstanden ist, und jetzt ungefähr 160 Fuß Höhe, und einen Umfang von 500 Fuß hat, sind rings umher, zu ebener Erde, Grotten gebaut, durch welche im Sommer eine außerordentlich kühle Luft herausstreicht, und die den römischen Weinschenken als Magazine dienen, in denen der Wein sich so kühl und frisch, wie in einem Eiskeller erhält. Hier versammelt sich während des Oktobers jeden Nachmittag, vornehmlich aber Donnerstags und Sonntags eine zahlreiche Volksmenge, um einen frohen Tag im Freyen zu genießen.
Jede Gesellschaft bringt, nach römischer
Sitte, ihren Mundbedarf mit, und man trinkt an den umhergepflanzten Tischen, oder auf dem
Rasen im Schatten der Bäume gelagert, den kühlen Wein aus den Grotten. Hier hat der
Fremde Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß das römische Volk ein frohes, gutmüthiges,
und im Genusse mäßiges Volk ist. Man sieht hier, wo alles trinkt, keinen Betrunkenen;
Kein Zank und Streit stört den Frieden der Gesellschaft; der Wein begeistert nur zur
Freude und zum frohen Genusse der flüchtigen Stunden. |
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