Bacchanal am Monte Testaccio Ich begab mich unter die Pinien, Zypressen, grüne Eichen und Maulbeerbäume, nach den frischen Weinkellern des Monte Testaccio; ließ mirs köstlich bei einem alten Wirt, einem Sizilianer und Sohn des Ätna, schmecken.
Plötzlich hörte ich in einem Saal neben mir Trommel und Geige. Ich sprang auf, und sah zwischen den Bäumen Fest und Tanz und Schönheit, und trat in den Saal. Ein halb Dutzend Mädchen, ebensoviel Künstler waren dort, eine auserlesene Gesellschaft. Die Mädchen waren echte Römerinnen an Wuchs und Gestalt, mit der erhabenen antiken, noch republikanischen Gesichtsbildung, die auch auf fremde Fürsten wie nur Barbaren herunterschaut. Paar und Paar standen im vertrauten Umgang miteinander; die reizenden Geschöpfe ließen sich von ihren Geliebten als Modelle brauchen und gaben ihre Schönheiten deren Kunst preis. Sie machten sich selbst Musik und tanzten lauter Nationaltänze, wo wenig gezogener, gedehnter, französischer Schritt, sondern immer neuer Freudensprung ist. Ich ließ dabei wacker auftischen und einschenken und wurde selbst von dem Wirbel ergriffen. Man holte hernach aus der nahen Villa Sacchetti Efeu zu Kränzen und belaubte Weinranken mit Trauben zu Thyrsusstäben, und jeder Jüngling warf alle Kleidung von sich. Es ging immer tiefer ins Leben, und das Fest wurde heiliger; die Augen glänzten von Freudentränen, die Lippen bebten, die Herzen wallten vor Wonne. Nach Mitternacht ging es in ein echtes
Bacchanal aus; das erhitzte Leben blieb nicht mehr in den gewohnten Schranken, und jedes
tobte nach seinem Gefühl und seiner Regung. Demetri machte seinen Einfall zu einem
spartanischen Tanz laut, und dieser wurde mit Jauchzen ausgeführt. Doch machte man vorher
den feierlichen Vertrag, nichts Schändliches zu beginnen und die Leidenschaften bis ans
lange Ziel gleich olympischen Siegern im Zügel zu halten, wies braven Künstlern
gezieme. |
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