| Karl Phillip Moritz, 1786 Ein Begräbnis auf dem Protestantische
Friedhof Rom, den 24. September Gestern haben wir einen jungen Maler aus Deutschland, August Kirsch, begraben. Einen starken sinnlichen Eindruck macht die Art des Begräbnisses, wozu, bei einem Protestanten in Rom, die Anstalten gleichsam heimlich gemacht, und eine Anzahl Sbirren zur Wache genommen werden müssen, weil man vor der Beleidigung des Pöbels immer noch nicht recht sicher ist. Der Begräbnisplatz, die Gegend um die Pyramide und den Monte Testaccio, ist eine mit Bäumen bepflanzte grüne Ebene, welche zu Spaziergängen für das römische Volk bestimmt ist, und den Namen führt: i prati del popolo romano, (die Wiesen des römischen Volkes). - Das ganze Revier ist eingeschlossen, und es führt ein eigener Eingang dazu.
Dicht bei der Pyramide sieht man die Leichensteine einiger Engländer und protestantischen Deutschen, die in Rom gestorben sind; rund umher herrscht entweder die größte Einsamkeit und Stille, oder fröhliches Jauchzen, wenn das Volk sich im und bei dem Monte Testaccio in Zelten und kühlen Grotten versammelt, um sich hier zu ergötzen, und des Lebens zu genießen. Diese Gegend ist wegen des seltsamen Kontrastes vielleicht die Einzige in ihrer Art, um an den Tod und an die Vergänglichkeit der Dinge auf eine erhabne Weise zu predigen. Auch stellt sich die Pyramide, welche schwärzlich und aschgrau, hin und wieder mit grünem Moos bewachsen, aus einer kleinen Vertiefung an der alten Steinmauer emporsteigt, äußerst malerisch dar, und wurde von dem jungen Kirsch noch einige Monate vor seinem Tode gezeichnet, wo er scherzend sagte, er wolle, wenn er stürbe, mit dem Gesicht gegen die Pyramide gekehrt, begraben sein. Die Kutschen, welche nun unsern verstorbenen Landsmann begleiten sollten, durften sich erst bei Bocca della Verita, am Ufer der Tiber, nicht weit vom Aventinischen Berge, wo die Gegenden Roms schon ziemlich öde werden, versammeln. Ich nebst drei vertrauten Freunden des Verstorbenen, fuhren nach seiner Wohnung bei St. Peter, setzten den schmalen Sarg, so gut es gehen wollte, in eine Kutsche, der wir in einer andern folgten, und brachten so den Leichnam, in der Dunkelheit der Nacht, heimlich durch eine lange Straße, die sich an der Tiber hin durch ganz Trastevere erstreckt. Die Trasteveriner, welche uns begegneten, wunderten sich über den herausstehenden Sarg, sagten aber nichts weiter, als un morto! un morto! So gelangten wir über die sixtinische Brücke nach Bocca della Verita; wo die übrigen Kutschen mit den Sbirren uns schon erwartet hatten, mit denen wir nun bis an den Eingang zu dem Reviere, wo die Pyramide steht, den Toten begleiteten. An diesem Eingange aber stiegen wir aus und steckten unsre Fackeln an. - Der Sarg aber wurde aus dem Wagen gehoben und getragen; wir aber folgten paarweise bis ans Grab, um welches wir einen Zirkel schlossen, und als der Sarg eingesenkt war, eine kurze Trauerrede von mir gehalten wurde, nach deren Endigung die beiden nächsten Freunde und Landsleute des Verstorbenen die erste Schaufel mit Erde auf den Sarg warfen.
Es hatte sich doch eine Anzahl Volk um uns her versammelt, welche sich aber ruhig verhielten, und während meiner Rede sich nur stritten, ob das, was ich sagte, Englisch oder Deutsch sei? Sie schienen übrigens von der Ernsthaftigkeit und Ordnung, womit wir bei diesem Akt zu Werke gingen, erbaut zu sein. In der Ferne muß in dieser einsamen Gegend der Anblick von einer Anzahl Menschen, die mit Fackeln in den Händen, einen Kreis um ein Grab schließen, in der Nähe der halberleuchteten Pyramide und des alten Gemäuers, einen sonderbaren Anblick gemacht haben. Wir standen noch einige Minuten - der
Grabhügel war nun aufgebaut - wir löschten die Fackeln aus - und die Scene verschwand in
Nacht. |
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